Zehn Jahre nach seinem Tod ist Florian Zillibiller im Basketball der Region noch immer präsent. Sein Name steht für eine prägende Epoche des Quedlinburger Herrenbasketballs, für sportlichen Ehrgeiz, Leidenschaft und eine ganz eigene Handschrift. Als Trainer der Oberliga-Mannschaft der TSG GutsMuths Quedlinburg führte er das Team über viele Jahre zu beachtlichen Erfolgen, bündelte Talente aus der Region und machte die Bodelandhalle zu einem Anziehungspunkt für Basketballfreunde aus dem Harz.
Aufstieg eines Basketballstandorts
Als Florian Zillibiller Mitte der 2002 nach dem Aufstieg der TSG GutsMuths Quedlinburg in die Oberliga den Herrenbereich übernahm, war der Wille zur Entwicklung da, klare Vereinsstrukturen aber nur in Ansätzen vorhanden. Genau hier setzte seine Arbeit an. Mit Geschick, Fachkompetenz und klaren Vorstellungen brachte er Ordnung in einen Bereich, der zuvor vielfach ungeordnet wirkte. Er formte nicht nur eine Mannschaft, sondern entwickelte Schritt für Schritt einen leistungsfähigen Herrenbasketballstandort.
Unter seiner Regie wurde die Quedlinburger Oberliga-Mannschaft nahezu zum Stammgast in den Play-offs. Jahr für Jahr behauptete sich das Team gegen die besten Mannschaften des Landes und gehörte dauerhaft zur erweiterten Spitze in Sachsen-Anhalt. Der ganz große Durchbruch blieb zwar aus, denn der Einzug in eine Finalserie um die Landesmeisterschaft gelang nie. Spätestens im Halbfinale war Endstation. Doch das allein wird den Leistungen dieser Jahre nicht gerecht.
Denn die Konkurrenz, mit der sich Quedlinburg in dieser Zeit messen musste, war außergewöhnlich stark: USC Magdeburg, USV Halle, Baskets Wolmirstedt und der HSC Halle nutzten ihre sportliche Qualitäten regelmäßig zum Aufstieg in die 2. Regionalliga und mitunter wenig später sogar direkt weiter in die 1. Regionalliga. Das unterstreicht das hohe Niveau, auf dem sich der Basketball in Sachsen-Anhalt damals bewegte. Quedlinburg spielte in diesem Umfeld nicht nur mit, sondern bestimme den Sport und hielt als Provinz über Jahre dagegen. In den Best-of-Three-Serien entschieden oft nur Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage.
Volle Bodelandhalle, klare Spielidee
Ein wesentlicher Verdienst Zillibillers war es, regionale Talente zusammenzuführen und ihnen in Quedlinburg eine sportliche Heimat zu geben. Spieler aus Aschersleben, Halberstadt und Wernigerode fanden unter seiner Führung zusammen und bildeten eine starke Herrenmannschaft, die dem Basketball in Quedlinburg und der gesamten Region zusätzliche Strahlkraft verlieh. Gerade diese Fähigkeit, Potenziale zu bündeln und aus unterschiedlichen Persönlichkeiten ein funktionierendes Team zu formen, machte ihn zu einer so wichtigen Figur.
Mit dem sportlichen Erfolg wuchs auch die Aufmerksamkeit für den Quedlinburger Basketball. Zillibiller gelang es, das Publikum in die Bodelandhalle zu locken. Nicht selten verfolgten zwischen 150 und 200 Zuschauer die Heimspieltage der Quedlinburger. Für den Herrenbasketball auf Landesebene war das bemerkenswert und zeigte, welche Anziehungskraft die Mannschaft in jener Zeit entwickelte. Die Spiele wurden zu Ereignissen, die Halle zu einem Treffpunkt für Basketballinteressierte aus der Region.
Florian Zillibiller selbst war dabei weit mehr als nur ein Trainer an der Seitenlinie. Mit seinem Auftreten, seiner einzigartigen Aura und seinem eigenwilligen Charakter brachte er eine starke Individualität in den Quedlinburger Basketball. Er war ein Trainer, der auffiel, der polarisierte und gerade dadurch bleibenden Eindruck hinterließ. Er lebte Basketball intensiv, emotional und kompromisslos.
Bis heute werden Geschichten aus jener Zeit erzählt, die seinen besonderen Stil verdeutlichen. Unvergessen bleibt etwa das Play-off-Halbfinale gegen den USC Magdeburg in der Unisporthalle. Als Quedlinburg in der Schlussphase keine Auszeiten mehr zur Verfügung hatte, warf Zillibiller kurzerhand einen Stuhl auf das Spielfeld, um das Spiel zu unterbrechen. Das technische Foul war folgerichtig. Doch genau diese erzwungene Unterbrechung nutzte er, um seinem Team weitere Anweisungen zu geben. Am Ende führte genau diese Szene zum Erfolg. Solche Episoden zeigen, wie individuell Basketball-Coaching gelebt werden kann – und wie sehr Zillibiller bereit war, in jedem Moment alles für seine Mannschaft zu investieren.
Ein Vermächtnis, das bis heute wirkt
Sein Tod am 19. März 2016 traf die Basketballszene in der Region tief. Im dritten Spiel der Play-off-Halbfinalserie beim BC Anhalt Dessau, in der Entscheidung um den Einzug ins Finale, brach Florian Zillibiller direkt an der Seitenlinie zusammen und verstarb. Für viele ist dieses Bild bis heute sinnbildlich für sein Leben auf dem Basketballfeld: mit voller Leidenschaft, mitten im Spiel, bis zuletzt ganz nah an seiner Mannschaft.
Der Verlust war nicht nur sportlich ein schwerer Einschnitt. Für viele Spieler und Weggefährten war das Erlebte ein tiefes Trauma, das lange nachwirkte. Zugleich rückte die Mannschaft danach noch enger zusammen. Hunderte Menschen nahmen an seiner Beerdigung teil, um ihm den notwendigen Respekt und Abschied zu zollen. Rückblickend markierte sein Tod auch einen Wendepunkt in der Entwicklung des Basketballs in Quedlinburg.
Nach einer Übergangssaison übernahm Gunter Schimpfermann, zuvor selbst Kapitän unter Florian Zillibiller, über mehrere Jahre die Verantwortung. Unter seiner Leitung begann schließlich die erfolgreichste Phase der Mannschaft überhaupt. Drei zweite Plätze in der Landesmeisterschaft, ein Meistertitel und ein Pokalsieg standen am Ende für eine junge Mannschaft, die vieles aus der vorherigen Ära mitgenommen hatte. Denn Schimpfermann übernahm nicht nur ein Team
und führte die Idee fort, sondern etablierte eine ganz neue Spielidee und einen Anspruch
an Training und Spiel, der in den Jahren zuvor gelegt worden war.
Florian Zillibiller hat den Quedlinburger Basketball über viele Jahre entscheidend geprägt. Er brachte Struktur in den Herrenbereich, formte eine leistungsstarke Oberliga-Mannschaft, bündelte Talente aus der Region und machte die Bodelandhalle zu einem Ort, an dem Basketball lebte. Vor allem aber war er ein Charakter, der Spuren hinterlassen hat.
Zehn Jahre nach seinem Tod ist Florian Zillibiller nicht vergessen. Noch heute erzählen sich die alten Weggefährten aus Berlin, Quedlinburg, Aschersleben, Magdeburg oder Halle Anekdoten und Geschichten über den einzigartigen Zillibiller. Sein Platz an der Seitenlinie ist leer – seine Wirkung aber bleibt.

Florian Zillibiller (li.) wird 2016 von Konrad Sutor zum Trainer des Jahres der TSG GutsMuths geehrt – wenige Tage vor seinem Tod (Foto: Verein)

Auch das war Zillibiller: umkämpfte Siege durften auch gefeiert werden. Hier in Weißenfels mit dem Siegerbogen in der Hand (Foto: Verein)

Mitte der 2000er Jahre brachte Zillibiller weitere Struktur in die Teamstruktur der individuell gut ausgebildeten Herren (Foto: Verein).

